Wundlacken

Der Ort Wundlacken mit dem Gut südlich von Königsberg unweit südlich des Haffarms existiert nicht mehr und besitzt wohl auch keinen russischen Namen.

Ludwig Burggraf und Graf zu Dohna-Lauck (1733 – 1787) war verheiratet mit der Gräfin Caroline aus dem reichen Haus der Finck von Finckenstein auf Schönberg, die jedoch schon nach drei Ehejahren starb, ohne Kinder zu hinterlassen. Graf Ludwig heiratete in zweiter Ehe Amalie (1753 – 1793), eine Tochter von Friedrich Ludwig I. Graf Truchseß zu Waldburg. Vermutlich mit dem Geld seiner ersten Frau kaufte er 1783 Wundlacken, das an Capustigall angrenzte, und nannte sich dann Burggraf zu Dohna-Wundlacken. Amalie Charlotte, geb. Gräfin Truchseß zu Waldburg vererbte den Besitz an den Sohn Heinrich Ludwig Adolph Burggraf und Graf zu Dohna-Wundlacken (1777 – 1843). Heinrich heiratete Wilhelmine Freiin von Lützow (1784 – 1837), Schwester des Majors von Lützow, allgemein bekannt durch das Lützowsche Freikorps in den Befreiungskriegen. Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod von Wilhelmine heiratet er in zweiter Ehe seine entfernte Kusine Herminia Gräfin zu Dohna-Reichertswalde (1807 – 1882). Nach dem Tod von Herminia fiel Wundlacken an den Neffen ihres Mannes Heinrich, Georg Graf zu Dohna (1850 – 1912), der 1900 auch Herr auf Finckenstein wurde. Nach Georgs Tod wurde Wundlacken Sitz seiner Frau Gertrud, geb. von Domhardt (1852 – 1929) , die den Besitz weitervererbte an Marie Mathilde Fürstin zu Dohna-Schlobitten (1873 – 1953), geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich; und diese Fürstin wohnte in Wundlacken bis 1945.

Das Gutshaus, dessen Architektur stark niederländisch geprägt war, war ein niedriger Bau mit Krüppelwalmdach und mit durch kolossale Pilaster stark betontem Mittelteil unter dreieckigem Giebel, der in der 2. Hälfte des 17. Jhs. auf Grundmauern aus der Ordenszeit errichtet wurde. Es existiert nicht mehr, aber

Wundlacken ist in Philosophenkreisen ein bekannter Name: der oben genannte Heinrich Graf zu Dohna-Lauck auf Wundlacken verwaiste früh, studierte bereits als Vierzehnjähriger Philosophie bei Kant und verfasste 1791 – 1793 etliche Kolleghefte über die Vorlesungen des großen Philosophen, die man nach dem 1. Weltkrieg in Wundlacken fand und die sich jetzt im Privatbesitz der Familie zu Dohna befinden. Sie stellen eine Fundgrube für alle Kant-Forscher dar, weil sie Kants Vorlesungen intelligent und kenntnisreich wiedergeben. Heinrich zu Dohna war auch Schüler des Nationalökonomen Christian Jacob Kraus, der einen erheblichen Beitrag zur Ausbildung der seinerzeitigen Reformgeneration leistete. Obwohl bereits Staatsrat, trat Heinrich zu Dohna in den Befreiungskriegen als Freiwilliger in das Freikorps seines Schwagers Lützow ein. Später wurde er Präsident der Königsberger Regierung.*

* Quelle: Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 546