Mohrungen (Moraq)

Das Dohna-Schlösschen

Peter zu Dohna (1483 – 1553) wurde 1525 Amtshauptmann von Mohrungen und wohnte in der Ordensburg. Amt und Burg Mohrungen war von 1527 bis 1573 und nochmals im 17. Jh. an die Dohnas verpfändet. Der Amtshauptmann Achatius zu Dohna (1533 – 1601), Peters Sohn, erwarb 1561 ein Grundstück unmittelbar an der Stadtmauer zur Seeseite hin und ließ darauf zwei Wohnhäuser errichten, die 1595 unter Fabian zu Dohna (1577– 1631) zum „Schlößchen“ umgebaut wurden. Zum Grundstück gehörte eine Pforte in der Stadtmauer mit Zugbrücke. Diese gewährte zwar den Nutzungsberechtigten das Privileg, Ware unter Umgehung der üblicherweise am Stadttor zu entrichtende Akzise in die Stadt zu bringen. Im Gegenzug waren die Besitzer aber dazu verpflichtet, die Stadtmauer und die Türme in verteidigungsfähigem Zustand zu erhalten.

Ein großer Stadtbrand 1697 zerstörte auch das Schlößchen samt seiner wertvollen Innenausstattung. Insbesondere die 6.500 Bände umfassende Bibliothek ging verloren und das Dohnasche Archiv, das man hier untergebracht hatte, weil es in der Stadt sicherer aufgehoben war als auf dem Land, wurde danach nach Reichertswalde verlegt. Das Gebäude blieb 20 Jahre lang Ruine. Dann erfolgte 1717 – 1719 der stattliche Wiederaufbau unter der Leitung des Baumeisters Johann Caspar Hindersin. Ein dazu gehörendes Kavalierhaus entstand 1725, die beiden Torhäuser wurden 1731 vollendet. Im 18. Jh. wohnten verschiedene Mitglieder der Familie zu Dohna in dem Haus und 1807 versteckte sich hier Marschall Bernadotte vor den Russen.

Lange Zeit Sitz der Amtshauptleute, diente das Schlößchen im 19. und 20. Jh. u. a. dem Landratsamt Mohrungen und als Wohnung seines Landrats. 1928 wurde es von Alexander zu Dohna-Schlobitten an den Kreis verkauft und im 2. Weltkrieg stark zerstört. Die Polen bauten es sorgfältig und historisch getreu 1975 – 1985 wieder auf. Jetzt zeigt man dort eine Gemäldesammlung der Grafen zu Dohna, verschiedene Gegenstände aus Dohnaschem Besitz, das Epitaph von Peter zu Dohna und seiner Frau aus der Mohrunger Kirche[1] sowie eine rd. 50 Gemälde umfassende Porträt-Sammlung des niederländischen Malers Landheer, die dieser der Stadt geschenkt hat. In einigen Räumen stehen wertvolle alte Möbel aus verschiedenen Epochen vom Barock bis zum Jugendstil.. Hauptsächlich aber dient das Schlößchen als Herder-Gedenkausstellung.

Im Dohna-Schlößchen befinden sich – gut restauriert – auch zwei Gemälde aus der Werkstatt von Lucas Cranach, die einst im Königsberger Dom hingen: Martin Luther und Herzog Albrecht.[2]


[1] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser, Band II, S. 696 ff
[2] Lorenz Grimoni, Königsberg-Spuren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Königsberger Bürgerbrief, Winter 2010, S. 48

Schlodien (Gladysze)

Die Besitzung Schlodien wurde 1643 von Erhard Werner aus einer adligen prußischen Familie wegen hoher Schuldforderungen an Achatius II. zu Dohna (1581 – 1647) und Friedrich d. Ä. zu Dohna (1619 – 1688) abgetreten und 1654 in brüderlicher Teilung der Linie Bochertsdorf übertragen.[1] Im Wege der Erbschaft gelangte Schlodien 1688 an Christoph Burggraf und Graf zu Dohna (5.4.1665 in Coppet – 11.10.1733), Bruder von Alexander zu Dohna-Schlobitten (1661 – 1728), Kammerherr von Kurfürst Friedrich III., Kommandeur der Grands Musquetaires und der kurfürstlichen Garden. 1699 wurde er zum General ernannt. Hauptsächlich jedoch diente er seinem Kurfürsten und König in diplomatischen Missionen. Er war einer der ersten, der den anlässlich der Krönung 1701 gestifteten Schwarzen Adlerorden erhielt. Als wichtige historische Quelle hinterließ Christoph zu Dohna die in französischer Sprache geschriebenen „Denkwürdigkeiten über die Regierung und den Hof von Friedrich I., König in Preußen“.[2]

3D-Visualisierung Schlodiens vom Herder-Institut; Dr. Piotr Kuroczynski

Christoph zu Dohna wohnte zunächst im Schlösschen in Mohrungen. Als dieses 1697 abbrannte, betrieb er den Neubau in Schlodien. Ein vermutlich vorhandenen altes Gutshaus wurde in den Neubau einbezogen. Das Schloss gestaltete der Hugenotte Jean de Bodt (1670 – 1745), den Christoph zu Dohna vermutlich in seiner Gesandtenzeit am englischen Hof 1698/99 kennen gelernt hatte, berühmt als Architekt des Zeughauses in Berlin, der Schlodien 1701 – 1704 zu einer seiner schönsten Anlagen des Hochbarock gestaltete. Die Bauausführung oblag Johann Caspar Hindersin. Dach und Seitenanbauten stammten aus dem 19. Jh.

Interessant ist, wie Architektur-Stile innerhalb der Familie weiter gereicht wurden. So ähnelt das Schloss in Neuwied am Rhein, das 1707 – 1712 erbaut wurde (Torhäuser 1719 — 1720, Seitengebäude bis 1756) auffallend dem in Schlodien. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass der Fürst zu Wied der Schwager des Bauherrn von Schlodien war. Im Innern dagegen war Haus Schlodien von holländischen Stilformen nach dem Vorbild des “Huis ten Bosch” nahe Den Haag – 1647 von Pieter Post vollendet – geprägt. Jenes ließ Amalie von Solms, Witwe Friedrich Heinrichs von Oranien, anlegen, und die war eine Schwester der Gräfin zu Dohna in Schlodien.

1710 wurde die Genehmigung zur Stiftung des Schlodier Majorats erteilt. Christophs Sohn Carl Florus zu Dohna (1693 – 1765) kaufte 1762 von Friedrich Carl zu Dohna das Majorat Carwinden hinzu. Beide Majorate blieben bis 1945 im Besitz der Familie Dohna-Schlodien.

Carl Ludwig zu Dohna (1758 – 1838) war mit Max von Schenkendorff befreundet und der Dichter der Freiheitslieder hielt sich nach seiner Verwundung 1810 einige Zeit in Schlodien auf. Kronprinz Friedrich Wilhelm, als König später der IV., und sein Bruder Wilhelm, später der erste Kaiser im Deutschen Reich, hielten sich ebenfalls mit ihren Haushofmeistern 1809 einige Zeit in Schlodien auf.

Carl zu Dohna (1814 – 1890), Majoratsherr seit 1843, erweiterte den Besitz von Schlodien und kümmerte sich auch intensiv um Ausbau und Restaurierung der Vorwerke. Er wurde 1861 Kammerherr bei Königin Augusta, 1879 Obermarschall des Königreichs Preußen und 1884 Vorsitzender des Provinziallandtags.

Nikolaus Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien (5.4.1879 in Mallmitz – 21.8.1956) war als Korvettenkapitän Kommandant eines im 1. Weltkrieg sehr populären und in ihrem Metier durchaus erfolgreichen deutschen Kaperschiffs, der als Kauffahrerschiff getarnten „Möwe“. Im Zuge des Seekriegs versenkte bzw. erbeutete die Möwe auf einer ersten Kaperfahrt 18 Schiffe, insgesamt fielen ihr auf zwei Reisen unter Graf Dohnas Regie 38 Schiffe mit mehr als 175.000 BRT zum Opfer. Nach dem Versailler Vertrag musste die Möwe an die Engländer ausgeliefert werden und lief dort unter dem Namen Greenbrier“. Nachdem sie 1933 von Deutschland zurückgekauft werden konnte, fuhr sie noch jahrelang unter dem Namen „Oldenburg“, bis sie am 7. 4. 1945 nach einem Luftangriff alliierter Flugzeuge schwer getroffen bei Vadhein im Sogefjord sank. Graf zu Dohna-Schlodien sollte aber in die Geschichte der Deutschen Seefahrt als vorbildlicher Kapitän eines der bestbewaffneten Kauffahrerschiffe eingehen, die jemals die sieben Meere befahren haben.

Die letzten deutschen Herren auf Schlodien, Christoph zu Dohna (1922 – 1944) und Emanuel zu Dohna (1927 – 1945) fielen im 2. Weltkrieg. Die Mutter ging am 21. 1. 1945 mit den Töchtern auf die Flucht in den Westen.

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte ein staatliches Getreidegut das Gebäude vor allem als Lager, aber auch als Diskothek für die Jugend des Dorfes. Das Schloss, das den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, brannte am 17. 7. 1986 – inzwischen leer und heruntergekommen – vollständig nieder. Die ehemals in die Wand eingelassenen Gemälde waren nach dem Krieg herausgenommen worden und befinden sich jetzt im Museum von Olsztyn – Allenstein. Vierzig nach dem Krieg in Sicherheit gebrachte Bilder aus Schlodien (von 250), vornehmlich von niederländischen Malern, befinden sich heute im Dohna-Schlösschen in Mohrungen. Ein Teil des besonders hohen Silberbestands, der sich im Laufe von über 200 Jahren angesammelt hatte, weil das Fideikommiß-Statut die permanente Vermehrung seineses Bestandes vorgeschrieben hatte, wurde 1944 nach Bernburg ausgelagert und ist seit 1945 verschollen[3]. Das separate Küchenhaus, eine ziemlich einmalige Einrichtung in Ostpreußen, wurde abgerissen und der ehemalige Marstall verfällt. Der einst gepflegte Park, angelegt von dem Gartenarchitekten Johann Larass 1867/68, ist verwildert. Seit 2005 sorgt eine Polnisch-Deutsche Stifrung zumSchutze des Kuloturerbes im Ermland für die Konservierung der Ruine und plant die Wiederherstellung von Schloss und Park.

Die ehemalige Gutskirche, erbaut 1879 im Wald in Richtung Karwiny – Karwinden, rottet vor sich hin. Das unter Carl zu Dohna erbaute Mausoleum im Schlosspark ist noch ruinös vorhanden. Es löste 1879 das Erbbegräbnis an der Ostwand der Patronatskirche von Hermsdorf ab.

 

[1] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 755
[2] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 459
[3] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 758 + 762

Waldburg Capustigall

Die nachfolgenden Ausführungen gehen maßgeblich zurück auf das Buch von Hans Graf zu Dohna „Waldburg-Capustigall“, 2. Auflage 2009, erschienen im C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn, ISBN 978-3-7980-0607-2

Von den Gutsgebäuden und vom Dorf in Waldburg steht kein Stein mehr auf dem anderen. Auch wenn kaum noch etwas zu sehen ist, haben wir den Bericht über Waldburg-Capustigall aufgenommen, weil er so hervorragend aus dem persönlichen Erleben dokumentiert ist und einen sehr geschlossenen Einblick in das Schicksal einer der bedeutenden Adelsfamilien in Ostpreußen gibt. Der Bericht soll auch dazu anregen, sich mit dem genannten Buch zu beschäftigen.

Die Geschichte von Capustigall geht bis ins 16. Jh. zurück. Erste Besitzer des Gutes waren die Herren von Lehndorff, die auf dem nahen Gut in Maulen saßen. Von 1637 bis 1700 wohnten hier die Herrn von Mühlheim, ursprünglich einer Königsberger Patrizierfamilie entstammend, danach die Familie von Kreytzen. Von Johann Albrecht Graf v. Kreytzen erwarb 1711 Friedrich Wilhelm von Chièze (1672 – 1740) die Herrschaft und ließ erstmals ein großes barockes Gutshaus errichten. Friedrich Wilhelm von Chièze war der Sohn von Philipp von Chièze (1629 – 1673) und seiner Frau Katharina (1650 – 1703), die beide eine große Bedeutung für die Herrschaft Rautenburg und den Bau des Kleinen und Großen Friedrichsgrabens im Kreis Elchniederung hatten (siehe dort). Friedrich Wilhelm hatte sich von seinem jüngeren Halbbruder Karl Ludwig Graf Truchseß zu Waldburg, der die Herrschaft Rautenburg von seiner Mutter erbte, mit 26.000 Talern auszahlen lassen und war somit für den Kauf des Landes und den Bau des Gutshauses offenbar recht liquide ausgestattet. Er lebte auf Capustigall mit seiner Frau Katharina Luise, geb. v. Tettau (1689 – 1736).

Die erbenden Kinder der beiden Halbbrüder Friedrich Wilhelm von Chièze und Karl Ludwig Graf Truchseß zu Waldburg gingen 1738 eine gemeinsame Ehe ein: Friedrich Ludwig I. Graf Truchseß zu Waldburg (1711 – 1777), der Rautenburg übernahm, heiratete Charlotte Sophie von Chièze (1720 – 1761), die Capustigall erbte. Somit waren beide Herrschaften vereint und das Ehepaar zog in das neue Schloss Capustigall ein. Friedrich Ludwig I. verkaufte 1744 den Besitz Rautenburg an seinen Schwager Johann Gebhard Graf von Keyserlingk (1699 – 1761), der mit der klugen und geselligen Charlotte Caroline Gräfin Truchseß zu Waldburg (gest. 1792), der Schwester von Friedrich Ludwig I., verheiratet war. Friedrich Ludwig II. Graf Truchseß zu Waldburg (1741 – 1810) und vermutlich auch die Brüder Karl (geb. 1745) und Otto (geb. 1747) wurden in Capustigall von Kant unterrichtet, der zu diesem Zweck mit dem Pferdewagen aus dem nahen Königsberg herbeigeholt wurde.[1] Unter Bezug darauf gab es bis 1945 im Schloss eine „Kant-Stube“. In der Zeit Friedrich Ludwigs II. wurde 1786 das nahe Gut Wesdehlen hinzugekauft.

Friedrich Ludwig III. (1776 – 1844) schlug die militärische Laufbahn ein, heiratete Prinzessin Maria Antonia von Hohenzollern-Hechingen (1781 – 1831), nahm in der napoleonischen Zeit Dienst in der mit Napoleon verbundenen bayrischen Armee, fand sich aber zu den Befreiungskriegen wieder auf der Seite Preußens ein. Nach der Abdankung Napoleons gehörte er bei dessen Fahrt ins Exil nach Elba zur alliierten Begleitmannschaft und hinterließ über diese Reise der Nachwelt einen Bericht, der ein interessantes Licht auf die Persönlichkeit des einstigen Kaisers warf. Nach den Befreiungskriegen war Friedrich Ludwig III. Gesandter an verschiedenen Höfen in Italien, so in Turin und Florenz, und den Niederlanden,

Eine der vier Töchter Friedrich Ludwigs III., Mathilde (1813 – 1858), erbte Capustigall. Sie heiratete am 6. 6. 1835 Richard Graf zu Dohna-Schlobitten (1807 – 1894) und damit gelangte der Besitz an die Familie zu Dohna. Zur Erinnerung an die im Aussterben begriffene Linie der Truchseß zu Waldburg in Ostpreußen erwirkte Gräfin Mathilde die Umbenennung der Begüterung von Capustigall in Waldburg. 1875 war die preußische Linie der Truchseß zu Waldburg dann im Mannesstamm erloschen. In dieser Zeit des Übergans an die Dohnas nach 1833 wurde das barocke Herrenhaus im italienischen Stil unter Mitwirkung italienischer Handwerker umgebaut und ein Mezzaningeschoss aufgesetzt. In Innern prunkte das neue Haus mit weißem Carraramarmor für die Treppe und die Fensterbänke. Es heißt, das ein für Russland bestimmtes Schiff im Frischen Haff strandete und neben einer Lieferung für Capustigall auch der für Peterhof versandte Marmor hier gelöscht werden musste. Er wurde von den Waldburgern zu günstigen Konditionen übernommen und beim Umbau verwendet.[2]

Beim Tod von Mathilde Gräfin zu Dohna erbten den Besitz Waldburg- Capustigall ihr Mann Richard, gefolgt von ihrem Sohn Eberhard I. Graf zu Dohna (1846 – 1905). Nach der Heirat von Eberhard I. zu Dohna mit Elisabeth Gräfin von Kanitz 1878 zog das Ehepaar in Waldburg ein. Vater Richard zu Dohna, der in Schlobitten wohnte, sorgte bei dieser Gelegenheit für eine Arrondierung des Besitzes um das benachbarte Gut Maulen mit Ludwigshof, dem Gasthaus „Zur Hoffnung“ und Teilen des unmittelbar am Haff gelegenen Heide-Maulen, um die Ertragsfähigkeit des Gutes Waldburg zu steigern. Eberhard I. ließ 1888 ein ziegelgedecktes hohes Walmdach aufsetzen und das italienische Aussehen durch ein Äußeres im Stil der Neorenaissance ersetzen. 1904 erhielt das Haus Strom, 1909 eine mit Koks betriebene Zentralheizung. Die Inneneinrichtung blieb von den Umbauten jedoch weitgehend unberührt. Auch Eberhard I. erweiterte den Besitz um angrenzende Flächen 1894 war Waldburg in ein Familien-Fideikommiß umgewandelt worden..

In der Erbfolge erschien nunmehr Eberhard II. Richard Graf zu Dohna (1875 – 1957), der 1907 Renata Gräfin v. Hochberg (1883 – 1948) heiratete, zu deren Familie ein in Ostpreußen weitgehend bekannter Architekt gehörte. Eberhard II. war der Vater von Hans Graf zu Dohna (geb. 1925), dem Autor des genannten Buches über Waldburg-Capustigall. Letzter Besitzer von Waldburg war Eberhard III. Bolko Graf zu Dohna (1908 – 1983), dem Eberhard II. die Verwaltung des Gutes in schwieriger Wirtschaftslage 1938 übertragen hatte.

Die Landwirtschaftsfläche der Herrschaft Waldburg betrug zuletzt 1.915 Hektar, davon 1.079 ha Ackerland, 349ha Wiesen, 392 ha Weiden und 69 ha Wald.. Die Wirtschaftsflächen teilten sich auf das Hauptgut und die Vorwerke Kolbnicken, Wesdehlen und Seepothen auf. Der Viehbestand setzte sich aus 835 Rindern, 312 Schafen, 307 Schweinen und 223 Pferden zusammen.[3] Das Land bestand teilweise aus schweren Böden und Überschwemmungsgebieten, aber auch gut zu bewirtschaftenden Äckern. Waldburg selbst verfügte nur über 375 Hektar, bestehend aus 75 Hektar Moorwiesen, 150 Hektar unter dem Pflug, 75 Hektar Wald und der Rest auf Dauerweiden. Der Wirtschaftsbetrieb in Waldburg mit Pferdeställen, Wagenremisen, Getreidespeicher, Scheunen etc. konzentrierte sich auf zwei aneinander grenzende Höfe unweit des Gutshauses. Neben 20 Arbeitspferden gab es 60 Kühe und 10 Ochsen. Im Dorf gab es vier Insthäuser mit14 Wohnungen von Bediensteten.

Im Gutshaus von Seepothen, das 1921 vom Architekten Friedrich Franz Graf von Hochberg (1875 – 1954) umgestaltet wurde, wohnte von 1922 – 1929 Heinrich Graf zu Dohna, während er die Waldburger Ländereien für seinen Bruder Eberhard zu Dohna (1875 – 1957) verwaltete. Heinrich Grad zu Dohna wurde als Widerständler gegen Hitler 1944 hingerichtet (dazu siehe Tolksdorf im Kreis Rastenburg). Letzter deutscher Besitzer war Eberhard Bolko zu Dohna-Schlobitten (1908 – 1983). In Seepothen wirtschaftete nach dem Krieg eine Kolchose. Das Haus wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen, auf den Grundmauern später ein zweistöckiges Haus errichtet, das aber wohl nicht über den Rohbau hinaus kam.[4]

Gut Maulen wurde 1877 von Richard zu Dohna-Schlobitten (1807 – 1894) gekauft und wurde zeitweise von Mitgliedern der Familie bewohnt. Nach dem Verkauf 1928 an die Ostpreußische Siedlungsgenossenschaft besaß es Victor Adalbert zu Dohna-Schlobitten bis 1936, als er sich in Grünwalde in Masuren einkaufte. Das Gutshaus steht nicht mehr.[5]

Nach heftigen Kämpfen zwischen den deutschen Truppen und der Roten Armee ab Ende Januar, bei der Waldburg wechselseitig besetzt wurde, eroberten die Russen das Gut endgültig am 6. Februar 1945. Von Waldburg blieb nur ein Trümmerfeld. Der Treck der Seepother wurde unweit von Waldburg von den Russen überrollt, die Leute zurückgeschickt, einige von Ihnen wurden erschossen oder grauenvoll ermordet, die Frauen vergewaltigt. Einige begingen Selbstmord, andere verhungerten. Eberhard III. zu Dohna hat eine Liste der Personenverluste der Begüterung Waldburg aufgestellt, die 66 Tote, 46 Verschleppte und Vermisste sowie 8 Gefallene aufführt.[6] Die gräfliche Familie entkam den Schrecken der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee und fand nach dem Krieg eine Bleibe in der Nähe von Lüneburg.

Die in den Westen gelangten jungen Grafen zu Dohna nutzten das Geld aus dem Lastenausgleich im beginnenden Wirtschaftswunderland als Basis zur Gründung neuer Existenzen, indem sie in verschiedenen Orten der Bundesrepublik Betriebe der Chemischen Reinigung nach amerikanischem Vorbild einrichteten, vornehmlich im Südwesten und Westen, beginnend mit der „Dohna, chem.-Reinigung KG“ in Kaiserlautern. Es entstanden im Laufe der Nachkriegsjahre eine ganze Reihe von Betrieben dieser Art. Jeder Familienzweig agierte dabei für sich allein, aber alle koordinierten ihre unternehmerischen Entscheidungen und betrieben eine gemeinsame Werbung unter dem Namen Dohna. Das hat ganz offensichtlich gut funktioniert und ist ein Bespiel dafür, wie ostpreußischer Unternehmergeist die deutsche Marktwirtschaft bereichert hat.

 

[1] Hans Graf zu Dohna, Waldburg-Capustigall, S. 71
[2] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 788
[3] Hans Graf zu Dohna, Unbeschwerte Zeit, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, 2015, S. 36
[4] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 808/809
[5] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 806
[6] Hans Graf zu Dohna, Waldburg-Capustigall, S. 138

Schlobitten (Slobity)

Der Name des Ortes ist prußischen Ursprungs. Die Slobita, Slobithe, Slobuthe waren Prußische Edle saßen hier, aber man weiß nichts Näheres über sie. Ihre Ländereien übertrug der Orden einer Familie Landgreff und dann einer Familie Haubitz. Im Jahr 1525 fiel die Begüterung an Peter zu Dohna (1483 – 1553) und von 1589 bis 1945 befand sich hier der Hauptsitz der Linie zu Dohna-Schlobitten.

Die ersten Dohnas wohnten im sogenannten „Neuen Haus“, errichtet unter Achatius zu Dohna (1533 – 1601). Teile des gewölbten Kellers aus dem 16. Jh. wurden in den späteren Bau integriert. Der nachfolgende Landsitz im Stil der Renaissance nach niederländischen Vorbildern des 17. Jhs. entstand 1621 – 1624 unter Abraham zu Dohna (1579 – 1631), Festungsbaumeister und daher selbst zur Planung befähigt. Abraham zu Dohna ließ bereits 1627 einen einstöckigen Saal für seine umfangreiche Bibliothek anbauen. Das Haus wurde schon recht bald von den Schweden zerstört, aber wieder notdürftig aufgebaut und bildete später das Mittelstück der barocken Erweiterung.

An dem hochbarocken Neubau eines Schlosses, in Auftrag gegeben von dem späteren Feldmarschall Alexander zu Dohna (1661 – 1728), an dem von 1696 – 1736 gebaut wurde und der in der Hauptsache 1713 fertig gestellt war, war zunächst der Baumeister Jean Baptist Broebes (1660 – nach 1720) verantwortlich, damals Festungsbaumeister in Pillau, der den Generalplan für die Schlossanlage entwarf und 1695 – 1698 den Ostflügel baute. Ab 1704 übernahm Johann Caspar Hindersin (1677 – 1738) die Bauleitung. Er wurde unterstützt von dem Königsberger Schlossbaumeister und Leiter des ostpreußischen Bauwesens Joachim Ludwig Schultheiß von Unfried (1678 – 1753) als Obergutachter mit dem Ergebnis, dass der Mitteltrakt um ein niedriges Geschoss unter einem Mansarddach aufgestockt wurde.[2]Man baute an das vorhandene Gebäude einstöckige seitliche Galerien an, an die senkrecht zum Schloss Seitenflügel angefügt wurden. Als Besonderheit verzichtete man auf den zentralen repräsentativen Schlosseingang und ersetzte diesen durch zwei symmetrische Eingänge neben den Galerien.

Das Ergebnis war eines der ostpreußischen Königsschlösser, so genannt, weil sie die Aufgabe hatten, dem preußischen König bei seinen Reisen durch die Provinz als angemessene Herberge zur Verfügung zu stehen.

Unter den alten Linden, gepflanzt 1625, die in Reihen auf das Schloss zuführten und von denen einige überlebten, lustwandelte einst auch Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher (1768 – 1834), als er in jungen Jahren von 1790 – 1793 Hauslehrer auf Schlobitten war.

Während der Eroberung Preußens durch Napoleon machte für kurze Zeit Marschall Bernadotte 1807 das Schloss zu seinem Hauptquartier. Letztlich nahm Kaiser Wilhelm II. hier häufig seinen Aufenthalt, wenn er jedes Jahr zu den Jagden Fürst Richards zu Dohna anreiste.

Gegenüber dem Schloss, durch 2 Teiche – ehemalige , Festungsgräben – getrennt, über die eine Steinbrücke führt, wurden zum Baustil passende Wirtschaftsgebäude – Brennerei und Brauerei – errichtet. Der Marstall mit barockem Turm und Glockenuhr befand sich auf der östlichen Seite des geschlossenen Hofes.

Zum Besitz Schlobitten gehörten noch die Herrenhäuser in Prökelwitz, Davids (seit 1730), Kielmy – Coellmen (nach 1845) und Bielica – Behlenhof (seit 1845). Coellmen wurde von Richard zu Dohna-Schlobitten (1807 – 1894) erworben. Als sein Sohn Richard (1843 – 1916) hier seinen Hausstand gründete, verlängerte man das ursprünglich siebenachsige Hause um drei Achsen. Zuletzt wohnte dort der Gutsinspektor. Das Haus soll erhalten sein. Behlenhof war eine Erwerbung von Carl zu Dohna-Schlodien (1814 – 1890) Sein Sohn Achatius zu Dohna (1859 – 1933) verkaufte das Anwesen 1905 an Richard Fürst zu Dohna-Schlobitten (1872 – 1918) und dessen verwitwete Schwiegertochter nutzte den Erlös aus dem Verkauf 1930 zur Finanzierung des Erwerbs von Grünwalde in Masuren durch ihren Sohn Victor Adalbert. Das Haus ging am Ende des zweiten Weltkriegs zu Grunde.[1]

Nachdem das Schloss unbeschadet über die Jahrhunderte gekommen und ein Sammelort für die verschiedensten kulturellen Schätze der Dohnas geworden war, brachte die Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee im 2. Weltkrieg, in Schlobitten am 23. Januar 1945, die weit verbreitete Demolierung und Zerstörung durch Brandstiftung. Die Ruinen der Seitenflügel wurden abgetragen, die Außenwände des Haupthauses stehen noch. Marstall und Brauerei im Nordosten wurden im Frühjahr 1945 von Fliegerbomben getroffen und die Ruinen nach dem Krieg abgeräumt. Es existiert noch das ehemalige Branntweinhaus, errichtet 1704/05. Es wird aber nicht mehr bewirtschaftet und verfällt.

Weitere Einzelheiten und viele Bilder zum Schloss Schlobitten siehe Wulf D. Wagner, Stationen einer Krönungsreise – Schlösser und Gutshäuser in Ostpreußen, Berlin 2001. Kontakt über wurfdwagner@compuserve.de Außerdem siehe das Buch von Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten: „Erinnerungen eines alten Ostpreußen“ und das mit einem Geleitwort von Carl Jacob Burckhardt versehene Werk „Das Dohnasche Schloss Schlobitten in Ostpreußen“ mit über 400 Abbildungen (Kohlhammer-Verlag, Stuttgart).

Schlobitten Animation: Die königliche Mittelstube

Im Aufrag des Familienverbandes erstellt von Bone Buddrus.

 

Ruine 2015

Kotzenau (Chocianów)

Das Schloss in Chocianów (Klein-Kotzenau) im Powiat Polkowicki, Woiwodschaft Niederschlesien, wurde 1297 im Auftrag von Herzog von Schweidnitz Bolko I. errichtet.

Das Schloss wurKleinkotzenau_schlossde 1444 Eigentum der Familie Dornhein, später der Adelsgeschlechter von Nostitz, von Stosch und von Dohna.

Der nächste Besitzer Melchior Gottlob von Reden hat den Architekten Martin Frantz mit dem Umbau des Schlosses beauftragt, der von 1728 bis 1732 erfolgte. Es entstand eine barocke Residenz. Vom alten Schloss ist nur der Turm und einige Mauern übriggeblieben.

Das barocke Schloss hat ein Erd-, ein Ober- und ein Dachgeschoss unter einem mit Dachziegeln gedecktem Mansarddach mit Lukarnen. Die Fassaden sind mit korinthischen Pilastern aufgeteilt, das Eingangsportal wird von korinthischen Säulen flankiert. Das Schloss ist voll unterkellert.

Das Schloss wurde 1945 nur leicht beschädigt, blieb aber ungenutzt und verfiel allmählich. 1997 wurde es schließlich verkauft und wird renoviert.

Das Schloss wurde am 28. April 1950 unter A/3506/215 und am 13. November 1956 unter 340 in das Verzeichnis der Baudenkmäler der Woiwodschaft Niederschlesien eingetragen (wikipedia)

 

Finckenstein (Kamieniec)

Das Dorf nahe dem Gaudensee wurde 1339 erstmals urkundlich als „Hawirsdorf“ erwähnt, woraus sich bald der Name Habersdorf entwickelte. Nach der Umwandlung des Ordensstaates in ein Herzogtum übereignete Herzog Albrecht seinem Freund und Vertrauten Georg von Polentz, Bischof des Samlands, das Amt Schönberg einschließlich der Habersdorfer Güter. Der verlieh Habersdorf 1547 weiter an Balthasar von Köckeritz. 1556 fiel Gut Habersdorf an die Familie Polentz zurück und gehörte bis 1653 erneut zur deren Besitz. Dann wurde es zusammen mit der Besitzung Schönberg an General Jonas Casimir Freiherrn zu Eulenburg verkauft, bis am 25. Februar 1705 der General und Oberhofmeister Albrecht Conrad Finck von Finckenstein (1660 – 1735) die zum Zwangsverkauf stehende Begüterung mit einem Areal von 300 Hufen (à ca. 16.5 ha) einschließlich Michelau, Rosenau und Vogtenthal sowie zuzüglich dem Waldgebiet der „Gemeinen Heyde“ zum Preis von 78.100 Gulden erwarb. Er ließ dort eines der prächtigsten Schlösser Ostpreußens errichten.

Nachdem Albrecht Conrad 1735 gestorben war, verwalteten zunächst die 4 Söhne gemeinsam den Besitz, bis sie sich 1744 darauf verständigten, dass Finckenstein dem zweiten Sohn, Generalleutnant Friedrich Ludwig (1709 – 1785) allein überlassen wurde. Dessen einzig überlebende Tochter Caroline, die Enkelin des Generalfeldmarschalls, heiratete Friedrich Alexander Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten (1741 – 1810). Dieser Burggraf kaufte 1782 die Begüterung Finckenstein für 280.000 Taler von seinem Schwiegervater und von da ab bis 1945 blieb sie im Besitz der Dohnas.

Im Sommer 1933 kamen Hitler und im Gefolge die Ehepaare Himmler und Heydrich, dazu Adjutanten, der Fotograf Hoffmann sowie andere Nazi-Würdenträger auf Einladung von Hermann Graf zu Dohna nach Finckenstein. Hermann zu Dohna hatte Hitler bereits 1932 durch Ostpreußen gefahren. Hermann zu Dohna (1894 – 1942) war Deputierter des Kreises Rosenberg von 1927 – 1937 und starb aufgrund eines Leidens, das er sich schon während der Teilnahme am 1. Weltkrieg zugezogen hatte, bereits mit 47 Jahren. Zum Lebensende hin löste er sich offenbar von seinen nationalsozialistischen Verstrickungen.[1]Sein Sohn Alfred zu Dohna (1917 – 1988), Mitglied der SS und Erbe, stand in jener Zeit als Offizier in einem Panzerregiment an der Front und verwaltete Finckenstein während mehrerer Beurlaubungen bis zur Flucht am 21. Januar 1945

Der Treck der Schlossbewohner und des Dorfes brach unter Führung von Clothilde zu Dohna, Mutter des Erben, am 21. Januar auf. Graf Alfred zu Dohna war vermählt mit Gertrud Sigel und lebte als Industriekaufmann mit seinen 1951 geborenen Zwillingen, Hermann und Ursula, und seiner Mutter in München.

 

 

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[1] Lothar Graf zu Dohna, Die Dohnas und ihre Häuser II, S. 627

Ein unabhängiger Geist, der Hitler früh misstraute

Die Gründe für Heinrich Graf zu Dohnas Widerstand gegen Hitler waren persönlicher Natur: Er war ebenso unabhängig wie urteilsstark. Vor Gericht gab er sogar mehr zu, als er musste. – von Antje Vollmer erschienen am 17.07.12 in der Welt

Eines der häufigsten Vorurteile über die Mitverschworenen des 20. Juli lautet, sie seien doch früher selbst begeisterte Nazis und erst zum Widerstand bereit gewesen, als der Krieg bereits für alle sichtbar verloren war.

Auf Heinrich Graf zu Dohna jedenfalls trifft das nicht zu. Zusammen mit seiner Frau Maria-Agnes gehörte er von Anfang an zu den Gegnern Hitlers. Deswegen hat er auch schon früh – das war allerdings eine Besonderheit im Kreis der Widerstandsfamilien – das Urteil seiner vier Kinder geschärft, die sich jederzeit darüber im Klaren waren, was ihre Eltern über die politischen Ereignisse der Zeit dachten. „Sie wollten vermeiden, dass die Kinder womöglich auf ,deutsch-christliche‘ oder nationalsozialistische Einflüsse hereinfielen, und hielten es daher für unumgänglich, sie voll in ihre eigenen Gedankengänge hineinzuziehen“, wird der Sohn Lothar später einmal schreiben.

Der Stolz darüber, dass der Vater sie immer wie Erwachsene ernst nahm, sie bei den Tischgesprächen zuhören ließ, wenn Carl Goerdeler oder andere Mitverschworene zu Besuch kamen, sie über die politische Einschätzung der Gäste im Haus informierte, hat ihnen dann sehr geholfen in jenen Tagen, als sie selbst mit der Gestapo zu tun hatten. Er prägt bis heute ihre Erinnerung an den Vater, der am 14. September 1944 in Plötzensee hingerichtet wurde, und an die Mutter, die erst die Sippenhaft und dann als Häftling Nummer 84.485 das KZ Ravensbrück überlebte.

Ursula Gräfin zu Dohna war 21, ihr Bruder Lothar 20 Jahre alt, als um die Mittagszeit des 21. Juli 1944 die Eltern und der zufällig auf Genesungsurlaub anwesende jüngste Sohn der Familie, der 17-jährige Fabian, auf dem Gut in Tolksdorf verhaftet wurden. Der Name Heinrich Graf zu Dohna stand an erster Stelle auf der Liste des „Walküre“-Befehls, er war als Politischer Verantwortlicher für den Wehrkreis I vorgesehen – vergleichbar einem Regierungspräsidenten für Ostpreußen und damit für das Gebiet, in dem sich Hitlers Hauptquartier „Wolfschanze“, die Oberkommandos des Heeres (OKH) und der Wehrmacht (OKW) sowie Stabsstellen der SS befanden, hätte auf ihm eine enorme Verantwortung gelastet.

„Zu Hause fand ich das Nest leer“

Serie: „Stauffenbergs Gefährten“
  • Verfolgt, verfemt, vergessen

Ursula war am 20. Juli in Königsberg. Bei einer Bekannten der Familie, selbst einer NS-Gegnerin, hatte sie die Nachricht vom Attentat und seinem Scheitern gehört. Sie war schon mit unruhigen Gedanken zurückgefahren. „Als ich nach Hause kam, fand ich das Nest leer, musste aber noch fünf Tage warten, bis zwei Kommissare zur Hausdurchsuchung kamen.“ Merkwürdig souverän und unerschüttert übernahm sie die Rolle der Verantwortlichen, beruhigte die Angestellten, versorgte die Tiere, gab Anweisungen für den täglichen Arbeitsablauf.

Die junge Frau erschien der Gestapo für die Aufklärung des Attentats als unergiebig. Erst am 9. August kam auch sie ins Gefängnis von Königsberg und teilte dort die Zelle mit Sissi Dönhoff, der Schwester von Heinrich Graf Lehndorff, der neben Dohna als militärischer Verbindungsoffizier Stauffenbergs für den Wehrkreis I auf der Liste stand und nach seinem ersten Fluchtversuch ebenfalls in Königsberg einsaß. Beide Familien waren miteinander verwandt, ihre Güter lagen jeweils nur wenige Kilometer von der „Wolfsschanze“ entfernt.

Lothar erfuhr durch Verwandte von alledem.

Er selbst war an der Front und dann mehrfach im Lazarett. Von General Ernst Maisel, Chef der politischen Abteilung des Heerespersonalamtes, wurde der junge Offizier im Januar 1945 in Lübben/Spreewald vorgeladen. Die Forderung an ihn lautete, er habe das Urteil über seinen Vater als „gerecht“ anzuerkennen, ansonsten müsse er sich zum Einsatz an der Front melden, um mit seinem Tod „den Ehrenschild der Familie wieder reinzuwaschen“. Bis heute erinnert sich Lothar an das kalte Gefühl, das ihn überkam: „Dieser General erniedrigt sich zum Dienstleister der Nazis!“

Ungebrochener Überlebenswillen

Da er noch verwundet war, entging er zunächst dem Strafbataillon. Kurze Zeit später gelang es ihm sogar, bei der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße nach dem Verbleib seiner Mutter zu forschen. Er erhielt lediglich die förmliche Antwort, dass sie „wegen staatsfeindlichen Verhaltens“ festgenommen worden und die Möglichkeit zur Entlassung nicht gegeben sei. Trotz dieser Auskunft gelang es Lothar und auch seiner Schwester Ursula auf abenteuerliche Weise, ihre Mutter im KZ zu sprechen. Beide haben dabei den Tod des Vaters nicht erwähnt. Sie sollte in ihrem Überlebenswillen ungebrochen bleiben.

Sucht man nach den Gründen für die frühe Gegnerschaft dieser Familie zu Hitler und dem NS-Regime, so findet sich eine ganze Reihe von biografischen Begründungssträngen – aber ausschlaggebend ist wohl doch eine Persönlichkeitsstruktur des Vaters, die schon ganz früh zutage trat: geistige Unabhängigkeit, Fähigkeit zum nüchternen Urteil, eine hohe Bereitschaft, sich vom Gemeinwesen in die Pflicht nehmen zu lassen – und persönliche Bescheidenheit.

Als jüngerer Sohn einer alten europäischen Adelsfamilie war Heinrich Dohna für den Offiziersberuf vorgesehen, wollte aber nicht ins elitäre 1. Garde-Regiment, „weil da doch die Prinzen den Ton angeben“.

Er trat stattdessen 1901 bei den Leibhusaren in Danzig ein. Im Ersten Weltkrieg wurde er bald in den Generalstab berufen, 1916/17 in die Operationsabteilung des Großen Generalstabs unter Hindenburg. Dessen Generalquartiermeister Ludendorff, der 1923 beim Hitlerputsch eine führende Rolle spielen sollte, empfand er als „militärisch hochbegabt, aber persönlich ein äußerst fragwürdiger Charakter, überheblich und maßlos“, so erklärte er später seinen Kindern. Nach dem Krieg gehörte er zu den „Anti-Ludendorffianern“.

Die Nazis waren den Dohnas suspekt

Nach seiner Heirat 1920 mit Maria-Agnes von Borcke – „der oder keiner“, soll sich die selbstbewusste junge Dame früh festgelegt haben – wechselte er in den Zivilberuf, wurde Landwirt und übernahm die Verwaltung des Gutes Tolksdorf, das seine Frau erbte.

Das Aufkommen der Nationalsozialisten war beiden Dohnas von Anfang an suspekt. „Schon im Jahre 1930 haben wir Bekannte gewarnt, die für unseren Geschmack viel zu leichtsinnig waren und den Hitler zu harmlos beurteilten“, schreibt die Witwe Maria-Agnes 1983.

„Am 30. Januar 1933 hielten wir uns gerade in Berlin auf und waren ein paar Tage später bei einem Freund meines Mannes zum Essen eingeladen. Dort führte mich der General Blomberg. Er war gerade Minister geworden unter Hitler, und da fragte ich ihn: ,Wie können Sie bloß in dieser Regierung Minister werden?‘ Worauf er betonte, er fände die Regierung gut. Hitler würde es schon sehr gut machen. Da habe ich dann schließlich bloß noch gesagt: ,Wenn diese Naziregierung bleibt oder eine neue Naziregierung kommt, dann gibt es in fünf Jahren Krieg.‘ Die Generäle haben aber natürlich auf Frauen nicht gehört!“

Die entscheidende Vorprägung für das spätere Engagement Dohnas aber erfolgte in der Zeit des Kirchenkampfes in Ostpreußen, für die auch der Begriff „Widerstand“ überliefert ist. „Dass er zu den Männern des 20. Juli gehörte, lag in der Linie seines Lebens. Er wusste sich dahin gestellt von demselben Herrn, der ihn zum Zeugnis der Bekennenden Kirche gerufen hatte. Beides war e i n Weg in seinem Leben. Beides ein vor den Menschen verlorener Weg“, schrieb im protestantischen Sprachgebrauch und Predigerton seiner Zeit der Theologe Hans-Joachim Iwand.

Er hatte nicht nur als Dozent der Bekennenden Kirche, der lange in der Illegalität lehrte, Grund zu persönlicher Dankbarkeit. Dohna wurde zu einem Fels in den heftigen innerkirchlichen Auseinandersetzungen. In Ostpreußen hatten die Nationalsozialisten zum ersten Mal das Führerprinzip auch auf die Kirche übertragen und einen ihnen genehmen Bischof der NS-affinen, offen antisemitischen Deutschen Christen installiert. Als Reaktion kam es zur Gründung einer eigenen Kirchenliste „Evangelium und Gemeinde“, bald darauf zum „Ostpreußischen Bruderrat“, dem Dohna als Laie angehörte. Erhalten ist vom November 1934 ein Flugblatt von ihm, das er an seinen großen Bekanntenkreis verschickte, um für die Mitgliedschaft in der „Gemeinde unter dem Evangelium“ zu werben und darum zu bitten, für die eigenen Pfarrer zu spenden, die „im schweren Kampf für unsere Kirche und unser Bekenntnis“ stünden.

Hausdurchuchung in Tolksdorf

„Wir müssen uns hinter sie stellen. Es ist genug, wenn sie bereit sind, ihre Stellung und ihr Amt zu opfern.“ Es verwundert kaum, dass es bereits 1933 in Tolksdorf eine Hausdurchsuchung gab. Einschüchternde Wirkung hat sie offensichtlich nicht gehabt. Die Dohnas luden sogar zu einem Vortrag von Iwand ein.

Wie dicht an dem Kern seines christlichen und politischen Engagements dies alles war, lässt sich am besten in der Ansprache vom März 1935 zur Konfirmation seines ältesten Sohnes Carl Albrecht von Dohna (geboren 1921, gefallen 1941) nachvollziehen. Hier ist deutlich, wie sehr ein Vater seine Kinder auf eine Zeit harter Kämpfe und schwerer Anfechtungen vorzubereiten versucht. „Eltern sehen an einem solchen Tag voller Hoffnung auf den Lebenspfad, den ihr Kind schreiten soll, aber auch voller Sorge. … Viele Kinder und Jugendliche, die heute noch ohne Urteil sind, werden hinübergezogen in das Neuheidentum. Da heißt es dann: Das Christentum sei undeutsch, es mache untüchtig im Kampf, es verweichliche, Blut und Rasse stünden höher. … Als Religion müssen wir beides ablehnen. Über beidem steht ein Schöpferwille, der sie schuf. Der Kampf für den Glauben ist Tradition in unserer Familie. Mag nun Gott dich rüsten, dass auch du ein Streiter wirst.“

Zu den Bekannten Dohnas gehörte Carl Goerdeler. Als der entschlossene Gegner Hitlers ihn 1938 in Tolksdorf besuchte, ging es schon um ein besonderes Anliegen. Er sprach Dohna auf Pläne an, Hitler abzusetzen, in einem Hochverratsprozess anzuklagen und eine Übergangsregierung zu bilden, um die drohenden Kriegsvorbereitungen zu unterbinden. Dohna sollte sich für die Verwaltung in Ostpreußen zur Verfügung stellen. Er sagte zu. Die sehr weit gediehenen Pläne wurden abgeblasen, als Hitler mit dem Münchner Abkommen zur Annexion des Sudentenlandes einen beispiellosen innen- und außenpolitischen Triumph feierte.

Im Krieg wurde Dohna als Chef des stellvertretenden Generalkommandos in Königsberg reaktiviert. Die Spannungen zwischen seinen Pflichten als führender Militär und Befehlen, die er bekam, müssen unerträglich gewesen sein. So verhinderte er die Durchführung des Befehls, einen polnischen Gutsbesitzer mit seiner Familie wegen Waffenbesitzes erschießen zu lassen. Man übertrug ihm die Untersuchung, und Dohna ermittelte, dass die SS selbst die Waffen im Gutspark vergraben hatte. Nach dieser Beweisführung wurde der Erschießungsbefehl zurückgezogen.

Politische Gründe für Ablösung als Korpschef

Der Konflikt mit den NS-Generälen, besonders mit Bodewin Keitel, Bruder von Hitlers Feldmarschall Wilhelm Keitel, führte 1943 zur Demission Dohnas. Anlass war der Streit darüber, die in Danzig lebenden Polen zur deutschen Wehrmacht zwangszurekrutieren. „Die Gründe für seine Ablösung als Korpschef waren politische“, schrieb Generaloberst Franz Halder, der Dohna aus der Zeit der Umsturzpläne von 1938 kannte.

Während der Abwesenheit ihres Mannes hatte die Gräfin oft Mitglieder des Widerstandskreises bei sich zu Gast. Als seit 1940/41 alle militärischen Stabsstellen sich in unmittelbarer Nähe des Gutes befanden, gab es diese Treffen immer häufiger. Besonders oft kam der Nachrichtenchef des Heeres, Erich Fellgiebel, vorbei, ein enger Freund ihres Mannes. Vorwand war ein Pferd, das die Tochter Ursula für ihn zureiten sollte, was sie mit großem Engagement tat, ahnte sie doch, dass es eigentlich um ein Alibi für Treffen und Absprachen ging.

Aufgrund seiner vielen Verbindungen gehörte Dohna zu den Hitler-Gegnern, die Kontakte zu den unterschiedlichsten Widerstandskreisen hatten: zum militärischen, zum politisch-konservativen um Goerdeler, zum christlichen der Bekennenden Kirche um Niemöller sowie Bonhoeffer und auch zum eher liberalen sogenannten Kreisauer Kreis, der sich um Peter Yorck von Wartenburg und Helmuth James von Moltke gebildet hatte. Es war deswegen auch leicht verständlich, dass sich bei der Suche nach möglichen Kandidaten für eine Machtübernahme unmittelbar nach gelungenem Staatsstreich viele schnell darauf verständigen konnten, Dohna zu bitten, dann übergangsweise als Oberpräsident Ostpreußens zur Verfügung zu stehen. Man brauchte ja Menschen, deren Autorität außer jedem Zweifel stand und die auch von der unentschlossenen Bevölkerung sofort anerkannt werden würden. So risikoreich es war, dafür den eigenen guten Namen herzugeben, persönlichen Vorteil konnte man sich davon keinesfalls versprechen, denn diese Aufgabe sollte ja nur so lange übernommen werden, bis in Deutschland wieder geordnete Verhältnisse herrschten und eine legale Regierung im Amt wäre.

Angefragt wurde Dohna von Yorck von Wartenburg sowie von Lehndorff, so jedenfalls wird es im Freisler-Prozess vom 14. September 1944 heißen – seine Zusage übermittelte dann aber eine junge Verwandte, Marion Dönhoff, die gelegentlich solche Kurierdienste übernahm, da Frauen als Mitwisser nicht im Blickfeld der Gestapo waren. Bezeugt ist dieser Vorgang zugleich von Dohnas Frau und der Tochter, die mitbekamen, wie der Vater – nachdem er lange mit Marion Dönhoff allein im Zimmer gesprochen hatte – auf die Frage der Mutter „Hast du jetzt zugesagt?“ mit einem kurzen „Ja“ antwortete.

Ein ernster Angeklagter

Am 20. Juli selbst konnte Dohna nicht so rechtzeitig informiert werden wie sein Nachbar Lehndorff, der sich früh auf den Weg zu seinem Einsatzort in Königsberg aufmachte. Dohna erfuhr erst auf der Rückkehr von einem Abendessen vom missglückten Attentat. Für die erste rein militärische Phase des Umsturzes wurde er noch nicht gebraucht.

Nach seiner Verhaftung am Mittag des 21. Juli kamen Dohna, seine Frau und sein jüngster Sohn zunächst ins Gefängnis in Königsberg. Als der ganze Umfang des Staatsstreichs allmählich klar wurde, wurde Dohna zusammen mit Lehndorff am 8. August nach Berlin überstellt. Als sie mit dem Gestapo-Wagen vor dem Prinz-Albrecht-Palais ankamen, gelang Lehndorff auf unfassbare Weise zum zweiten Mal die Flucht. Dohna wurde verhört, bekannte sich zu seiner Beteiligung, nannte, auch vor Gericht, nur Namen von Mitverschworenen, die bereits hingerichtet waren – darin war das Kassiber-System innerhalb des Gefängnisses erfahren. Fotos vom Prozess zeigen den Angeklagten in ernster, nachdenklicher, sehr aufrechter Haltung.

Sein Pflichtverteidiger referierte: „Er hat alles zugegeben, er hat nichts beschönigt, er hat sogar teilweise mehr zugegeben, als es zu seiner Belastung ausgereicht hätte.“ Er habe aber nicht mit der Ermordung des Führers gerechnet. Statt sich für eine milde Strafe einzusetzen, bat der Anwalt für den Angeklagten um ein Urteil, „das der Sachlage gerecht wird“. Heinrich Graf zu Dohna wurde zum Tod durch den Strang, Verlust seines Vermögens und Aberkennung seiner Ehrenrechte verurteilt. Nach dem Krieg schickte der Anwalt der Witwe, die nach der KZ-Haft erst im Oktober 1945 als Flüchtling zu ihren Kindern nach Westdeutschland zurückkehren konnte, eine Rechnung für seine Bemühungen.

Der Dohnasche Familientag

Unsere Familie trifft sich jedes Jahr zum Dohnaschen Familientag an wechselnden Orten. Alle 5 Jahre findet ein erweiterter Familientag statt, um auch mit ausgeheiratetem Vettern und Cousinen in Verbindung zu bleiben.

Der nächste Familientag findet statt:
29.5. – 2.6.2019 Den Haag (Reisefamilientag nach Holland)
Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnahme.

Vergangene Familientage im Überblick:

8.-10. Juni 2018 Lutherstadt Wittenberg
26.5. –  28. Mai 2017 im Kloster Wennigsen*
26.5. – 29. Mai 2016: St. Marienthal, Ostritz
12.6. – 14. Juni 2015: Laubach
29.5. – 01. Juni 2014: Kloster Heiligengrabe
30.5. – 02. Juni 2013: Dresden
15. – 17. Juni 2012: Kloster Wennigsen*
01.-03. Juli 2011: Berlin
25.-27. Juni 2010: Leer (0stfriesland)
24.-29. Juni 2009: Reisefamilientag Schweden
19.-21. September 2008: Burg Bodenstein bei Duderstadt
17. – 20. Mai 2007: Bern, Schweiz
2006: Wittenberg
2005: Hadamar (Burg Runkel)

* Erweiterter Familientag mit allen ausgeheirateten Vettern & Cousinen

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Der Rundbrief

Der Familienrundbrief wird einmal im Jahr (Ende November) an die Mitglieder des Dohnaschen Familienverbandes postalisch versendet. Dies ist unser Medium, um über den vergangenen Familientag zu berichten, Familieninternes zu verkünden, Geburten, Jubiläen oder auch Nachrufe zu dokumentieren.

Wer in Einzelfällen darüber hinaus Interesse am Rundbrief hat, kann bei Henriette von Hammerstein anfragen.

Jagdschloss Davids (Dawidy)

Ende des 15. Jhs. gehörte das Landgut einem Achatius Borck, danach der polnischen Familie Drzewicki. Nach dem Tod von Jerzy Drzewicki kaufte es 1705 die Familie zu Dohna und behielt es bis 1945.

Davids fungierte als Vorwerk von Schlobitten und verfügt über ein Schlösschen, das dank der Initiative eines Privatmanns, Herrn Stanislaw Matuszewicz, 1980 wiederaufgebaut wurde, sodann als Hotel diente und sich in einem guten Zustand befindet. Das 1730/31 auch als Witwensitz ausgebaute Gebäude im Stil des niederländischen Barocks mit niedrigem Erdgeschoss und großzügiger Beletage entstand auf Initiative von Burggraf und Feldmarschall Alexander Aemilius zu Dohna (17.7.1704 – 6.10.1745), der im zweiten schlesischen Krieg bei Soor fiel, nach Plänen von Landbaumeister Johann Caspar Hindersin. Später war es auch Jagdschloss und diente als Unterkunft für Geschwister des Schlobitter Besitzers. in der letzten deutschen Zeit wohnte im Obergeschoss der landwirtschaftliche Verwalter und unter den Förster.[1]

An der Stelle, wo die Landstraße von Dawidy – Davids nach Bady – Bunden aus dem Wald heraustritt, steht immer noch eine der stärksten Schlobitter Eichen mit einem Durchmesser von fast 2 m. Mehr als 200 Jahre alte Buchen, Linden und Taxus-Büsche schmücken den gepflegten kleinen Park um das Herrenhaus herum.

 

Davids ist heute ein Hotel

Das Hotel hatte inzwischenzeitlich seinen Betrieb eingestellt, ist aber seit März 2015 mit 5 geschmackvoll eingerichteten Zimmern wieder in Betrieb und als „Bed & Breakfast“ buchbar.

Aussenaufnahmen

Prökelwitz (Prakwice)

Versteckt in den Christburger Wäldern östlich von Christburg liegt das Dorf Prökelwitz, gegründet 1312.

Hier befand sich seit Anfang des 14. Jhs. das Zentrum eines großen Gutes. Es gehörte im 15. Jh. Gabriel Bazynski, danach der Familie von Proeck und dann der Familie Wallenrodt. Der Stifter der berühmten Königsberger Wallenrodt-Bibliothek wurde hier in Prökelwitz geboren.

1736 kaufte Albrecht Graf zu Dohna – Schlobitten das Gut und dessen Familie blieb Eigentümer bis 1945. Im 19. Jh. war es 4.000 ha groß und zählte 9 Vorwerke. Die Wirtschaft verfügte im 20. Jh. über rd. 650 Rinder, 1.000 Schweine, 1.500 Schafe und 250 Pferde.

Es gab ein Jagdschloß, errichtet 1736/37, das auch als Sommerwohnsitz genutzt wurde. Nachdem es noch kurz vor dem 2. Weltkrieg restauriert worden war, wobei man die Mittel dafür durch Verkauf einiger hundert dort hängender Rehgehörne an eine bayrische Knopffabrik beschaffte, brannte es 1945 aus. Jetzt stehen nur noch die Umfassungsmauern, die Torbauten aus dem 18. Jh. und einige Nebengebäude. Heute Eigentum der AWRSP (Staatliche Agentur für Landwirtschaftliche Immobilien).

In ihrer Zeit berühmt waren die Prökelwitzer Rehbockjagden, zu denen für einige Tage im Mai regelmäßig Kaiser Wilhelm II. anreiste – jedenfalls bis 1906 und dann nur noch einmal 1910, weil sich die Freundschaft mit Fürst Richard zu Dohna-Schlobitten abgekühlt hatte. Kaiser Wilhelm soll hier in dieser Zeit insgesamt 500 Rehböcke geschossen haben. Auch heute noch trifft man in den Wäldern um Prökelwitz auf die Gedenksteine für einige kaiserlich erlegte kapitale Rehböcke.

Auch Reichsjägermeister Göring wurde zur Jagd nach Prökelwitz eingeladen, vornehmlich, um seine Hilfe gegen Gauleister Koch zu gewinnen. Das funktionierte jedoch nur begrenzt. Möglicherweise wurde der Gauleiter durch diesen Vorstoß im Herbst 1935 für wenige Monate suspendiert. Dann nahm er jedoch auf Anordnung Hitlers seine Position wieder ein und zukünftig stellte er wenig freundliche Verhaltensweisen gegenüber den Dohnas zur Schau.

Im Park gab es viele Walnussbäume, von denen nur wenig überlebten.